Die distale Bicepssehne

Eine gerissene Bicepssehne an der Oberfläche der Wunde. Darunter der Nerv am Weg zu Unterarm und Hand. Was man hier fälschlicherweise als Sehne annehmen könnte (im unteren Wundhaken) ist ein Narbengewebe ohne Funktion. 

 

 

Der Biceps verbindet die Schulter mit dem Ellbogen und beugt den Arm. An der Schulter sind Behandlungen der Bicepssehne seit Jahren ein großes Thema, am Ellbogen wird die Problematik immer besser bekannt.

 

 

Was ist das Problem?

 

Die distale Bicpessehne mit Ansatz am Ellbogen bietet drei Probleme, die als verschiedene Grade des selben Prozesses gesehen werden können. Zuerst die Entzündung (Tendinitis), dann die schmerzhafte Teilruptur und zum Schluss der komplette Riss.

 

 

Warum tut das weh? Was sind die Symptome?

 

Die Tendinitis schmerzt aufgrund der Entzündung. Die Teilruptur kombiniert die Entzündung mit einer Schwäche und Dysfunktion des Muskels. Die komplette Ruptur, meist nach exzentrischem Unfall, ist ein schweres Weichteiltrauma mit reichlich Blutung und Schwellung. In der Tat gibt es zwischen Bicepssehne und der Speiche einen Schleimbeutel, der schon bei der Teilruptur so stark anschwellen kann, dass er als Tumor fehlinterpretiert wird. Im Jargon spricht der Ellbogenchirurg von einer „pseudotumorösen Bursitis“.

 

Neben dem Schmerz tief im Ellbogen und bei Belastung, geht mit zunehmendem Defekt der Sehne ein Kraftverlust beim Beugen des Ellbogens und Umwenden des Unterarms einher.

 

 

Wie erfolgt die Diagnose?

 

Zur Diagnose der Ruptur reicht die klinische Untersuchung. Ein MRI kann zeigen wie weit in den Oberarm sich die elastische Sehne zurückgezogen hat.

 

Für die Diagnose der Tendinitis und der Teilruptur braucht es einen hohen Grad an Aufmerksamkeit, da diese Probleme leicht übersehen werden können. Ein MRI und/oder einer dynamische Ultraschalluntersuchung sichern die Diagnose.

 

 

Gefahren und Stolpersteine:

 

Tendinitis und Teilruptur werden oft überraschen spät diagnostiziert, was eine Verschleppung der Problematik nach sich ziehen kann. Die Ruptur sollte möglichst schnell (binnen Tagen oder wenige Wochen) operiert werden, da sich die Sehne stark zurückziehen kann und dann aufwendige Rekonstruktionen mit Spendergewebe notwendig werden können.

In seltenen Fällen kann die Sehne im Bereich des Ellbogens Kalk einlagern oder sogar verknöchern. Das Risiko für eine solche Verknöcherung kann zwar durch bestimmte Massnahmen verringert, aber nicht komplett aufgehoben werden. In den allermeisten Fällen ist diese seltene Komplikation gut durch konservative Massnahmen wie Stosswellentherapie und Physiotherapie gut behandelbar. In seltenen Fällen muss aber der Knochen operativ entfernt  werden.  

 

 

Konservative Behandlung:

 

Primär die Tendinitis, aber auch die Teilruptur, sprechen gut auf eine gezielte, konservative Therapie an. Initiale Ruhe, Kompression und Kühlung, als auch medikamentöse Entzündungsbehandlung sind sehr erfolgreich. Ultraschall-gesteuerte Infiltrationen können ergänzt werden.

 

 

Operative Behandlung:

 

Die operative Behandlung ist die Therapie der Wahl für die Ruptur, aber auch für die Teilruptur mit Beschwerden trotz konservativer Therapie. Dabei wird der Sehnenstumpf angefrischt und in der Speiche verankert. Dies kann entweder durch einen etwas größeren, oder zwei etwas kleinere Schnitte geschehen. In beiden Fällen wird die Sehne in der Tiefe des Ellbogens unter und zwischen wichtigen Nerven und Gefäßen in einer nicht simplen Operation verankert. Idealerweise sollte ein solcher Eingriff von jemandem durchgeführt werden, der jene Vertrautheit mit der Anatomie des Ellbogens hat, die aus der einschlägigen Erfahrung einer längeren Karriere in der Ellbogenchirurgie hervorgeht.

 

 

Postoperative Nachbehandlung:

 

Nach der Operation braucht es eine Ellbogenschiene für 3 Wochen. Der Arm darf zwar frei bewegt werden, aber für die ersten 6 Wochen gilt eine Hebelimite. Die uneingeschränkte Rückkehr zum Sport erfolgt nach 3-4 Monaten. Das Nachbehandlungsschema finden Sie hier (Link), Antworten zu allgemeinen Fragen zur Zeit nach der Operation hier (Link).

 

 

Erfolgsaussichten:

 

Die Refixation der Bicepssehne wird in der Literatur mit einer Komplikationsrate von bis zu 30% beschrieben. Die wichtigsten Risikofaktoren sind dabei eine zu lange verzögerte Operation, ein zu großer Zugang, und Verletzungen von Nerven. Unter Ausschluss dieser Faktoren und bei genauer Kenntnis der Anatomie ist es eine sehr zuverlässige Operation, mit vorhersagbarem Erfolg. 

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