Instabilität des Ellbogens

Instabilität außen am Ellbogen wird (sehr) oft als Tennisarm fehlinterpretiert. Ein einfacher Test zeigt aber schnell die Instabilität!

 

 

Die Funktion des Ellbogens ist es die Hand mit der Schulter zu verbinden. Genauso wie die Schulter und die Hand ist der Ellbogen ein ungemein bewegliches Gelenk. Gleichzeitig muss aber auch viel Kraft durch den Ellbogen geleitet werden, damit wir Schweres heben, aber auch uns abstützen können. Dabei wird durch ein komplexes Zusammenspiel von Knochen, Bändern und Muskeln die Stabilität des Ellbogens gewährleistet. In der jüngsten Forschung hat sich jedoch gezeigt, dass dieses System viel, viel häufiger als gedacht Probleme hat.

 

 

Was ist das Problem?

 

In voller Streckung und in voller Beugung ist der Ellbogen vor allem durch die Form der Knochen stabilisiert, und eine Instabilität kann nur bei einem Bruch entstehen. Im Bewegungsumfang dazwischen ist der Ellbogen durch Bänder gegen Aufklappen und Abdrehen gesichert. Diese Bänder können durch Unfälle reißen, oder durch Degeneration insuffizient werden. Leider werden sie auch sehr häufig durch Kortisonspritzen geschwächt.

 

 

Warum tut das weh? Was sind die Symptome?

 

Der Körper versucht die Instabilität durch Muskelzug auszugleichen. Je nachdem ob die Instabilität auf der Innen- oder der Außenseite vorliegt, müssen die Beuger oder Strecker den Ellbogen stabilisieren. Diese Muskeln sind aber für die Feinarbeit der Finger und des Handgelenks optimiert, und leiden stark unter der doppelten Belastung. In Folge entwickeln sie eine Überbelastung und Symptome ähnlich wie einem Golfer- oder Tennisarm. Diese sind in den meisten Fällen der Grund für den Arztbesuch.

 

Die Instabilität selber nimmt man kaum wahr. Während wir mit Empfindungen wie warm, kalt, spitz, etc als Menschen gut vertraut sind, gibt es für Instabilität keine Wahrnehmungsform. In fast allen Fällen wird sie vom Gehirn einfach als Schmerz übersetzt - genauso wie bei der Schulter auch. Daher wird die Instabilität - der eigentliche Auslöser der Probleme - in knapp 75% der Fälle in der frühen Untersuchung übersehen bzw als Tennis- oder Golferarm fehlinterpretiert.

 

Wie erfolgt die Diagnose?

 

Die Diagnose selbst erfolgt durch einfache klinische Tests (s.o.) und kann durch eine dynamische Ultraschalluntersuchung mit 90% Wahrscheinlichkeit bestätigt werden. Am MRI können Risse und Bandinsuffizienzen nicht immer gesehen werden, da die dynamische Komponente fehlt. Die 100% sichere Diagnose ist die Arthroskopie.

Gefahren und Stolpersteine:

 

Die Gefahr schlechthin bei Instabilitäten ist das Übersehen der Diagnose, da die Symptome sehr einem Golfer- oder Tennisarm ähneln. In der Tat ist es so, dass bis zu 75% der „chronischen Tennisarme“ eigentlich unter einer Instabilität leiden. Das erklärt auch warum bei manchen Leuten der Tennisarm nach realtiv kurzer Behandlung verschwindet, während andere Patienten mit ihrem "Tennisarm" jahrelang frustiert herumarbeiten müssen.

 

Eine lange verschleppte Instabilität kann aber relativ schnell zu einer frühzeitigen Arthrose des Ellbogens führen. In dieser Situation kann keine Stabilisierung durchgeführt werden, weil die Arthrose dadurch weiter beschleunigt würde.

 

 

Konservative Behandlung:

 

Die konservative Therapie zielt darauf ab, die Bänder zu kräftigen und die Kompensationsmechanismen zu stärken. Bei frischen Verletzungen oder Ausrenkungen des Ellbogens ist meist eine kurze Ruhigstellung von 7 – 10 Tagen und ein langsamer Aufbau danach ausreichend. Bei chronischen Instabilitäten ist die konservative Therapie vor allem für manuell und physisch weniger aktive Patienten eine gute Option.

In letzter Zeit gibt es auch Bestrebungen, das Aussenband mittels Eigenblut zu verkleben, um so einen Operation zu vermeiden. Für das Innenband des Ellbogens, als auch den Ansatz der Bicepssehne am Ellbogen, gibt es harte Daten zu guten Ergebnissen für eine solche Behandlung. Für eine Teilruptur des Aussenbands, respektive einen leichte Instabilität, hat einen solche Eigenbluttherapie zumindest eine gute Chance auf Erfolg. Nach der Eigenblutspritze sollte man den Ellbogen für 5-7 Tage schonen und dann 3 Wochen in einen gezielten Kraftaufbau investieren. Der Erfolg der Therapie stellt sich nach 3 bis 4 Wochen ein. Trotz der nachgewiesenen Wirksamkeit dieses Verfahrens wird die Eigenbluttherapie leider noch nicht als Pflichtleistung übernommen.

 

 

Operative Behandlung:

 

Von einer Operation profitieren zwei Gruppen von Patienten. Zum einem die Patienten, die nach einer Ausrenkung es nicht schaffen den Ellbogen wieder zur normalen Bewegung zu bringen. Zum anderen die Patienten mit einem instabilen Ellbogen und höherem körperlichem Anspruch in Beruf und Freizeit. Die Stabilisierung erfolgt mit Hilfe einer Ellbogenarthroskopie, obschon es auch einen offenen Zugang zum Gelenk zusätzlich braucht. 

 

Die klassische, operative Therapie ist der Bandersatz mit einer eigenen Sehne – genauso wie bei einer Kreuzbandruptur am Knie zum Beispiel. Die Sehne kann aus dem Triceps oder vom Knie entnommen werden, und wird in Knochentunneln verankert.

 

Für Instabilitäten auf der Außenseite des Ellbogens gibt es auch rein arthroskopische Techniken der Stabilisierung. Diese sind zwar etwas weniger stabil als der formelle Bandersatz mit Sehne, aber für Patienten mit moderatem Anspruch an den Ellbogen ist dies eine gute, und vor allem sehr gewebeschonende Option.

In beiden Techniken werden auch die überlasteten Streck- oder Beugesehenen mitbehandelt und refixiert. Auf der Innenseite wird auch der Nerv befreit, der oft überdehnt und eingeklemmt ist.

Zur Operation gibt es einen Nervenblock, der zwar den ganzen Arm lähmt, aber auch alle Schmerzen verschwinden lässt. Damit kann man sofort schmerzfrei in die Rehab starten. Dieser Nervenblock hält 2-3 Tage, währende dieser Zeit empfiehlt es sich im Krankenhaus in Beobachtung zu bleiben.

Postoperative Nachbehandlung:

 

Nach einer Ellbogenstabilisierung braucht es eine Ellbogenschiene für 6 Wochen. Danach erfolgt eine gezielte Physiotherapie. Die häufigste Beschwerde meiner Patienten ist, dass ab der 3 Wochen nach der Operation das Beugen des Ellbogens etwas schwieriger wird. Dies geschieht deshalb, weil sich die heilenden Operationswunden - wie alle Narben - kontrahiert, und den Ellbogen in Streckung zwingen möchte. Hier ist es wichtig mit der Physio dran zu bleiben, und aktiv Biegen zu trainieren. Zum Einsatz im Breitensport kommt der Ellbogen nach knapp 4 Monaten, bzw. 8 Monate bei Kontakt- oder Wettkampfsport. Werfer müssen bis zu einem Jahr warten bis der Ellbogen wieder ganz normal funktioniert. Das komplette Nachbehandlungsschema finden sie hier: Aussenband, Innenband.

Anworten zu generellen Fragen zur postoperativen Phase finden Sie auf der Seite nach der Op.

 

Erfolgsaussichten:

 

Die Erfolgsaussichten sind sehr gut, wenn die Instabilität erkannt wird. Eine nicht zu unterschätzende Zahl an Patienten braucht aber eine operative Behandlung, da die Möglichkeiten der muskulären Kompensation beschränkt sind. Wenn sich eine Instabilitätsarthrose eingestellt hat, dann kann keine Stabilisierung mehr durchgeführt werden. 

© 2016 by Patrick Vavken. 

Alle Rechte vorbehalten.

Alle Operationsbilder mit ausdrücklicher Erlaubnis der Patienten. 

Impressum und Datenschutz.