Ellbogenprothese

Die Ellbogenprothese einer 46 Jahre alten Rheumatikerin, 4 Jahre nach Implantation.

Aufgrund höherer Belastung als erlaubt (>5kg) hat sich der Schaft schon etwas gelockert, sichtbar am schwarzen Saum um die Spitze.

Die klinische Funktion ist noch gut und die Patientin schmerzfrei.  

 

 

 

Totalendoprothese des Ellbogens

 

Die Ellbogenprothetik ist ein relativ junges Gebiet. Erst 1972 wurde die erste Ellbogenprothese eingebaut. Seit damals wurde aber sehr schnell sehr viel gelernt, nicht zuletzt weil ja bereits von Knie, Hüfte und Schulter viele Probleme bekannt und erforscht waren. Dabei ist aus den verschiedenen Stilrichtungen der ersten Jahre die „semi-constraint“, oder halb-geführte, Prothese als großer Gewinner hervorgegangen. Diese Prothese hat eine zentrale Achse, diese erlaubt aber ein Spiel von 10 Grad. Dadurch ist die Prothese stabil, aber die einwirkenden Kräfte können abgeleitet werden anstatt die Prothese auszulockern.

 

Ursprünglich wurde die Ellbogenprothese für Rheumatiker entwickelt, und lange Zeit war die rheumatoide Arthritis auch die häufigste Indikation. Mit verbesserter Behandlung von Patienten mit rheumatoider Arthritis wurde diese Indikation seltener, und die posttraumatische Arthrose hat stark aufgeholt. Mit mehr und mehr positiver Erfahrung mit der Ellbogenprothese wurden aber auch neue Indikationen entdeckt, wie die fusionierten Ellbögen oder schwere Frakturen bei älteren Patienten.

 

Die Implantation erfolgt durch einen Hautschnitt von 8-10 cm hinten am Ellbogen. Ich belasse dabei den Triceps um eine frühe Mobilisation zu erlauben. Je nach Indikation werden zuerst Vernarbungen, Fragmente et cetera adressiert. Danach werden in Oberarmknochen und Elle Tunnel geschaffen um die Schäfte der Prothese aufzunehmen. Diese werden mit Zement fixiert. Danach werden die Schäfte über die Laufflächen gekoppelt und die Wunde verschlossen.

 

Nach der Operation gilt es vor allem die Wunde zu einer guten Heilung zu bringen. Dafür eignet sich eine Gipsschiene in den ersten Tagen. Danach kommt es zu einem langsamen Bewegungs- und Belastungsaufbau. Aufgrund der langen Hebelarme und der zarten Prothese gilt ein lebenslanges Hebeverbot von mehr als 5 kg. Wird dies nicht befolgt kann es zu Prothesenlockerungen und Frakturen kommen.

 

Die Ellbogenprothese ist daher nur begrenzt für körperlich aktive, typischerweise eher jüngere, Patienten geeignet. In den meisten Fällen sind dies Patienten mit posttraumatische Ellbogenarthrosen. Für diese ist eine Interpositionsarthroplastik eine geeignete Behandlung um Schmerz und Bewegungseinschränkung effektiv und zuverlässig zu behandelen, und noch bis zu 10, vielleicht sogar 15 Jahren zu gewinnen. 

 

Die Ergebnisse der Ellbogenprothese sind gut. Nach 10 Jahren ist die Überlebensrate der Prothese 92% bei Rheumatikern und 85% bei posttraumatischen Arthrosen. Die drei häufigsten Komplikationen sind Lockerung, Wundinfekt und Tricepsversagen. Eine genaue Operationstechnik hilft das Risiko für alle drei zu reduzieren. Der Abrieb der Laufflächen muss durch einen Austausch derer in einem kurzen Eingriff alle 10 bis 15 Jahre korrigiert werden.

 

 

Radiuskopfprothese

 

Die häufiger eingebaute Prothese ist die des Radiuskopfs. Nach Frakturen, aber auch nach komplexen Luxationen, kann der Radiuskopf stark geschädigt sein. Früher hat man ihn entfernt, aber da 60% bis 80% der axialen Belastung des Arms durch den Radiuskopf laufen, kann das zu ernsthaften Problemen führen. Solange aber keine aktive Infektion vorliegt und der Gelenksschaden sich auf den Radiuskopf konzentriert, kann dieser ersetzt werden.

 

Dabei steht eine Vielzahl von Implantaten zur Auswahl. Die Implantation erfolgt entweder durch einen kurzen Schnitt außen oder hinten am Ellbogen. Alte Narben von Frakturversorgungen können wieder benutzt werden. Wichtig bei der Implantation ist sowohl die richtige Größe und Länge des Implantates, als auch eine akkurate Reparatur oder ein Ersatz der Seitenbänder. Anhaltenden Beschwerden nach einer Radiuskopfprothese können in den meisten Fällen auf diese Punkte zurückgeführt werden.

 

Nach der Operation steht der Erhalt der Bewegung im Vordergrund. Für die ersten zwei Wochen wird eine Schlinge getragen, danach darf der Ellbogen aber frei nach Maßgabe der Beschwerden bewegt werden.

 

Die Ergebnisse der Radiuskopfprothese sind unterschiedlich. Bei der klassischen Indikation, der komplexen Fraktur, spielt die Zeit eine große Rolle. Eine frühzeitig eingebaute Prothese erreicht ein gutes Ergebnis in 85% der Fälle. Langes Zuwarten reduziert diese Rate auf 65% und weniger. 

 

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