Ellbogensteife und Bewegungseinschränkungen

Bei der Ellbogensteife verkleben die Weichteile rund um den Ellbogen. Im Gelenk bilden sich Narbenstränge, die die Bewegung einschränken. Verknöcherungen können sich ebenso bilden.

 

 

Zur Funktion des Ellbogens gehört es, die Hand an den Kopf zu führen um zu essen, zu trinken, die Nase zu putzen, eine Brille aufzusetzen und vieles mehr. Dazu muss der Ellbogen gestreckt und die Handfläche nach unten gedreht werden können, um etwas zu greifen. Weiters muss der Ellbogen danach gebeugt und die Handfläche nach oben gedreht werden können. Wenn ein Unfall oder eine Erkrankung diese Fähigkeiten an Beugung und Streckung und an der Umwendbewegung des Unterarms stören, spricht man von Ellbogensteife oder einer Bewegungseinschränkung.

 

 

Was ist das Problem?

 

Die Ursachen für eine Ellbogensteife sind mannigfaltig. Lange Ruhigstellung im Gips oder ein Bruch sind eher offensichtliche Ursachen. Aber auch Patienten im Koma oder mit Schädel-Hirn-Traumata entwickeln Ellbogensteifen.

 

Generell gibt es zwei Typen von Steifen. Die reine Weichteilsteife geschieht durch eine Verkürzung und Verklebung der Bänder, Sehnen und Muskeln. Im zweiten Typ bildet sich Knochen im Weichteilmantel des Ellbogens, sodass die beteiligten Knochen und schließlich das Gelenk selber zusammen wachsen.

 

Die normale Funktion des Ellbogens erlaubt eine volle Streckung (0 Grad) und eine Beugung zwischen 140 und 160 Grad. Anhand mehrerer Studien hat sich gezeigt, dass für ein normales Funktionieren in typischen Alltagssituationen eine Streckung von mindestens 25 bis 30 Grad notwendig ist und eine Beugung von 130 Grad. Der Verlust von 50 Grad Bewegungsumfang bedeutet den Verlust von 80% der Funktion des Ellbogens.

 

 

Warum tut das weh? Was sind die Symptome?

 

Der maligne Charakter der Ellbogensteife ist die Schmerzfreiheit. Auch Patienten mit einer kompletten Einsteifung des Ellbogens können nahezu schmerzfrei sein. Am Ellbogen zumindest, denn Handgelenk und Schulter müssen für den Ellbogen kompensieren. Hier sind sekundäre Schäden eine Frage der Zeit. Die Arbeitsfähigkeit ist in solchen Fällen oft komplett aufgehoben, und in Freizeit, Sport und Alltag gibt es sehr ernsthafte Einschränkungen. Dies ist besonders schlimm, da das typische Alter dieser Patienten Mitte 30 ist.

Je nach Ursache der Ellbogensteife, kann es auch Schmerzen geben. Diese Schmerzen entstehen aber aufgrund der ursprünglichen Verletzung, welche auch eine eigene Behandlung braucht.  

 

 

Wie erfolgt die Diagnose?

 

Die Diagnose ergibt sich aus der Untersuchung des Ellbogens und der offensichtlichen Bewegungseinschränkung. Ein Röntgenbild oder (viel) besser eine Computertomographie (CT) zeigen Vorhandensein und Ausmaß von Verknöcherungen. Das CT ist in diesen Fällen dem MRI überlegen, da es primär um Knochen geht, während die Stärken des MRI in der Darstellung der Weichteile liegen. Wenn das CT mit einem Kontrastmittel kombiniert wird kann auch der Knorpel sehr gut beurteilt werden.

 

 

Gefahren und Stolpersteine:

 

Die Behandlung der Ellbogensteife kann sich schwierig gestalten. Meist wurde die Steife durch ein anderes Problem ausgelöst, das auch behandelt werden muss. In Extremfällen kann eine Bewegungseinschränkung auch durch eine Instabilität ausgelöst werden, sodass sich die Behandlungskonzepte genau widersprechen.

Besonders schwierig gestalten sich die Fälle von Ellbogensteifen aufgrund von Ellbogeninstabilität. Sowohl durch eine Bandverletzung selbst, als auch durch die Behandlung danach kann der Ellbogen einsteifen. Das Problem in der Behandlung ist, dass man den Ellbogen nicht gleichzeitig mobilisieren und stabilisieren kann. In solchen Fällen kann es nötig sein, zwei Operation durchzuführen. Bei der ersten wird der Ellbogen mobilisiert um die Bewegung zu normalsieren. Danach werden verkümmerte Muskeln und verkürzte Sehnen intensiv mit Physiotherapie und Training behandelt. Nach 2 bis 3 Monaten schliesslich kann der Ellbogen dann stabilisiert werden.

 

In die vernarbten, manchmal auch verknöcherten Weichteile sind Nerven und Gefäße eingebettet. Genaue anatomische Kenntnisse sind daher in der Behandlung unerlässlich. Der Zugewinn an Beweglichkeit nach erfolgreicher Behandlung kann auch vermehrten Zug auf die Nerven bewirken. Diese mögliche Komplikation muss bedacht und in die Behandlung einbaut werden.

 

Als letzter Stolperstein bleibt die Scheu vor der Behandlung. Aufgrund der relativen Schmerzfreiheit wird nicht selten auch jenen Patienten mit massiven Einschränkungen empfohlen nichts zu tun. Als Argumente werden mögliche Komplikation und langwierige Behandlungen vorgebracht. Das ist nicht richtig.

Verknöcherung am Ellbogen (Heterotope Ossifikation):

Aus weitgehend unbekannten Gründen entwickelt der Ellbogen sehr gerne Knochen wo eigentlich Muskel und Weichteile sein sollten. In diesem Fall spricht man von heterotoper Ossifikation. Dies kann nach Unfälllen passieren, aber wird auch bei Patienten mit Schädel-Hirn-Traumata oder im Koma gesehen - obwohl der Ellbogen eigentlich nicht betroffen sein sollte!!!

 

Die Verknöcherung beginnt durch Kalkeinlagerung in die Weichteilzellen, die sich dann schrittweise in Knochenzellen umwandlen. In leichten Fällen bleibt es bei der zarten Verkalkung, in schlimmen Fällen können Oberarmknochen, Elle und Speiche komplett und lückenlos in einander verschmelzen. Dieser Prozess kann durch bestimmte Medikamente, Physiotherapie oder auch Bestrahlung verlangsamt, aber nicht immer ganz verhindert werden.  

Auch nach der Behandlung der Ellbogensteife kann es zu einer Verknöcherung kommen, egal ob es vorher bereits ein gab oder nicht. Das Risiko dafür kann reduziert werden, aber 100% ausgeschlossen werden kann dies nicht.

 

 

Konservative Behandlung:

 

Für Patienten mit reiner Weichteilsteife ist die konservative Therapie eine einfache und effektive Behandlung. Während Patienten früher über lange Strecken in Quengelschienen gezwungen wurden, gibt es heute bessere Methoden. Mehrere Studien, darunter auch eine Multicenterstudie von mir, haben gezeigt, dass mit 3x 30 Minuten pro Tag über 3 Wochen eine Verbesserung von 40 Grad, und damit 70% der Funktion, erreicht werden kann.

Diese Schienentherapie kann nicht angewandt werden, wenn es Verknöcherungen hat, da sich diese nicht aufdehnen lassen.

 

 

Operative Behandlung:

 

Die operative Therapie ist primär für Patienten mit Verknöcherungen oder die die sowieso eine Operation parallel zur Steife brauchen (Metallentfernung nach einem Bruch, eine Nervendekompression, etc.) gedacht. Aber auch Patienten mit einer sehr ausgeprägten Weichteilsteife können von einer Operation, zusätzlich zur konservativen Therapie, profitieren.

 

Diese sogenannte Arthrolyse kann arthroskopisch oder offen erfolgen. Wissenschaftlich gesehen sind die Ergebnisse nach beiden Operationen nicht weit auseinander. Die Arthroskopie ist etwas weniger schmerzhaft, dafür können viele Paralleleingriffe wie Metallentfernungen oder Nervenbehandlungen nicht arthroskopisch durchgeführt werden. Was beide Eingriffe gemeinsam haben ist der hohe Grad an technischer Schwierigkeit, da sprichwörtlich der Ellbogen zwischen Nerven, Gefäßen, Sehnen und Bändern aus Narben- und Knochengewebe herausgeschnitzt werden muss.

 

Postoperative Nachbehandlung:

 

Essentiell für die Nachbehandlung ist die sofortige und konsequente Mobilisation des Ellbogens. Dafür braucht es eine ausreichende Schmerztherapie, die am Besten stationär mittels Nervenblockade für einige Tage beginnt. Danach muss der Ellbogen konsequent weiter beübt werden, da er wieder einsteifen möchte. (Link)

In posttraumatischen Fällen empfiehlt sich die Einnahme von Indomethacin zur Prophylaxe neuer Verknöcherungen. Bei manchen Patienten ruft das Kopfschmerzen hervor.

 

 

Erfolgsaussichten:

 

Die Erfolgsaussichten sind sehr gut, wenn die korrekte Diagnose rechtzeitig gestellt wird.

 

Die konservative Therapie kann in 3 Wochen mit 3x 30 Minuten pro Tag 40 Grad Bewegungsumfang gewinnen.

Die Operation, ob offen oder arthroskopisch, kann sogar mehr als 50 Grad Zugewinn and Bewegung und damit 80% Zugewinn an Funktion erreichen. Aber auch hier gilt, je früher desto besser – auch wenn die Steife eine relativ schmerzarme Situation ist. 

 

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